
Das Geld hinter dem Wettbewerb
Die Europa League ist nicht nur ein sportlicher Wettbewerb — sie ist ein Wirtschaftsfaktor. In der Saison 2025/26 verteilt die UEFA gemäß UEFA Circular Letter 13/2024 ein Gesamtbudget von 565 Millionen Euro an die teilnehmenden Vereine, verteilt auf Startgelder, Siegprämien, leistungsabhängige Zahlungen und den sogenannten Value Pillar. Für Klubs wie den VfB Stuttgart oder den SC Freiburg, die sich nicht auf die Einnahmen der Champions League stützen können, sind diese Prämien ein entscheidender Bestandteil der wirtschaftlichen Planung.
Das Prämienmodell der Europa League basiert seit der Reform 2024/25 auf drei Säulen, die unterschiedliche Aspekte der sportlichen Leistung belohnen. Dieser Artikel erklärt, wie die Verteilung funktioniert, was jede Runde einbringt und wie sich die Europa League finanziell von der Champions League unterscheidet.
Das Drei-Säulen-Modell
Die UEFA hat die Prämienverteilung für ihre Klubwettbewerbe in ein System aus drei Säulen gegliedert, das gemäß UEFA Circular Letter 13/2024 für den Zyklus 2024 bis 2027 gilt. Dieses Modell ersetzt die früheren, weniger transparenten Verteilungsschlüssel und soll eine gerechtere Aufteilung der Einnahmen gewährleisten.
Die erste Säule umfasst die festen Zahlungen: Startgelder und Leistungsprämien. Jeder Verein, der an der Ligaphase teilnimmt, erhält einen Startbonus von 4,31 Millionen Euro — eine garantierte Summe, die unabhängig vom sportlichen Abschneiden gezahlt wird. Hinzu kommen Siegprämien für gewonnene und unentschieden gespielte Partien in der Ligaphase. Diese Säule belohnt die sportliche Leistung direkt und bildet das Rückgrat der Prämienverteilung.
Die zweite Säule ist der sogenannte Value Pillar. Dieser berücksichtigt die historische Leistung eines Vereins in europäischen Wettbewerben über die vergangenen zehn Jahre sowie den Marktwert des nationalen Fernsehmarktes. Klubs aus großen Ligen mit einer langen europäischen Tradition erhalten hier mehr als Neueinsteiger aus kleineren Märkten. Für Vereine wie Stuttgart oder Freiburg, die in den letzten Jahren regelmäßig europäisch vertreten waren, ist der Value Pillar ein relevanter Faktor.
Die dritte Säule umfasst die Solidarity Payments — Solidaritätszahlungen an Vereine, die nicht direkt am Wettbewerb teilnehmen, aber über ihre nationalen Verbände vom europäischen Fußball profitieren. Diese Zahlungen fließen an Klubs in den unteren Ligen und sollen die wirtschaftliche Kluft zwischen Top-Vereinen und kleineren Klubs verringern. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin betonte in einer offiziellen Mitteilung: «We also reaffirmed our commitment to the game by committing 10% of our gross competition revenues to solidarity payments.» Allein in der Saison 2024/25 flossen laut UEFA Financial Report 308 Millionen Euro an Solidarity-Zahlungen — ein Anstieg um 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Was jeder Sieg einbringt
In der Ligaphase der Europa League erhält jeder Verein für einen Sieg 450.000 Euro und für ein Unentschieden 150.000 Euro. Bei acht Spielen pro Team summieren sich die maximalen Leistungsprämien auf 3,6 Millionen Euro für eine perfekte Vorrunde mit acht Siegen. Realistischer ist ein Szenario mit vier bis fünf Siegen, was Leistungsprämien von etwa 2 bis 2,5 Millionen Euro ergibt.
Ein zusätzlicher Bonus wird für die Endplatzierung in der Ligaphase-Tabelle gezahlt. Die Teams auf den Plätzen 1 bis 8, die sich direkt für das Achtelfinale qualifizieren, erhalten einen höheren Tabellenbonus als die Plätze 9 bis 24, die in die Playoffs müssen. Die genauen Beträge hängen von der finalen Platzierung ab und können den Unterschied zwischen einer guten und einer hervorragenden europäischen Saison ausmachen.
Der SC Freiburg, der die Ligaphase auf Rang sieben abschloss, hat damit nicht nur sportlich von der direkten Achtelfinale-Qualifikation profitiert, sondern auch finanziell. Der Tabellenbonus für die Top 8 liegt deutlich über dem für die Playoff-Plätze. Stuttgart hingegen musste den Umweg über die Playoffs nehmen und erhält für die gleiche Rundenphase weniger — obwohl der VfB mit 15 Punkten nur einen Rang hinter der Top-8-Grenze lag.
In der K.o.-Phase steigen die Prämien mit jeder Runde. Das Achtelfinale bringt jedem teilnehmenden Verein einen sechsstelligen Betrag, das Viertelfinale und Halbfinale jeweils höhere Summen. Der größte finanzielle Sprung kommt im Finale: Der Verlierer erhält eine substanzielle Prämie, der Sieger noch einmal deutlich mehr. Jede Runde, die ein Verein übersteht, rechnet sich also nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich. Für Klubs aus der Bundesliga, die parallel den Ligabetrieb finanzieren müssen, können diese Einnahmen den Unterschied zwischen einem ausgeglichenen und einem defizitären Haushalt ausmachen.
6 Millionen Euro für den Sieger
Der Gesamtsieger der Europa League 2025/26 erhält eine Siegerprämie von 6 Millionen Euro — zusätzlich zu allen vorherigen Einnahmen aus Startgeld, Siegprämien, Tabellenbonus und K.o.-Rundenprämien. Hinzu kommt das Recht, im UEFA-Superpokal 2026 gegen den Champions-League-Sieger anzutreten, was weitere Einnahmen generiert. Und nicht zuletzt: Der Europa-League-Champion qualifiziert sich automatisch für die Ligaphase der Champions League 2026/27 — der finanziell lukrativste Vereinswettbewerb der Welt.
Die automatische Champions-League-Qualifikation ist für viele Vereine der größte finanzielle Anreiz. In der Champions League 2024/25 lagen die durchschnittlichen Gesamteinnahmen pro Teilnehmer bei über 40 Millionen Euro — eine Summe, die die Europa-League-Prämien um ein Vielfaches übersteigt. Für einen Verein wie Stuttgart, der 2024/25 bereits 42,98 Millionen Euro aus der Champions League einnahm, wäre ein erneuter Zugang über den Europa-League-Sieg ein wirtschaftlicher Jackpot.
Rechnet man alle Einnahmen zusammen — Startgeld, Siegprämien, Tabellenbonus, K.o.-Rundenprämien und Siegerprämie —, kann der Europa-League-Champion in der Saison 2025/26 eine Gesamtsumme von deutlich über 20 Millionen Euro erreichen. Das ist weniger als in der Champions League, aber für die Mehrheit der teilnehmenden Vereine eine erhebliche Summe, die Transfers finanziert, Gehälter sichert und die Wettbewerbsfähigkeit in der nationalen Liga stärkt.
Europa League vs. Champions League: Der finanzielle Vergleich
Der finanzielle Unterschied zwischen Europa League und Champions League ist erheblich — aber er ist kleiner geworden. Das Gesamtbudget der Champions League liegt bei 2,467 Milliarden Euro, das der Europa League bei 565 Millionen Euro. Das Verhältnis beträgt also etwa 4,4 zu 1. In der Vorsaison lag es noch bei über 5 zu 1, was zeigt, dass die UEFA die Europa League finanziell aufgewertet hat.
Das Startgeld in der Champions League beträgt 18,62 Millionen Euro — mehr als viermal so viel wie die 4,31 Millionen in der Europa League. Siegprämien in der Champions League liegen bei 2,1 Millionen Euro pro Sieg, verglichen mit 450.000 Euro in der Europa League. Die Unterschiede sind in jeder Kategorie deutlich, und sie erklären, warum die Champions League für Vereine die oberste Priorität hat.
Für Klubs wie den SC Freiburg oder den VfB Stuttgart, die nicht regelmäßig in der Champions League vertreten sind, bietet die Europa League dennoch eine wirtschaftlich attraktive Alternative. Die Gesamteinnahmen aus einer erfolgreichen Europa-League-Saison können zweistellige Millionenbeträge erreichen — genug, um den Kader zu stärken, die Infrastruktur auszubauen und die Qualifikation für künftige europäische Wettbewerbe finanziell abzusichern.
Die Europa League hat zudem einen indirekten finanziellen Vorteil: die Champions-League-Qualifikation für den Sieger. Wer die Europa League gewinnt, steigt in den folgenden Zyklus in die Champions League auf und erhält dort Zugang zu den deutlich höheren Prämien. Eintracht Frankfurt machte 2022 genau diese Erfahrung — der Europa-League-Titel öffnete die Tür zur Champions League 2022/23 und brachte dem Verein Einnahmen, die ein Vielfaches der Europa-League-Prämien betrugen. Die Europa League ist also nicht nur ein Wettbewerb mit eigenem finanziellen Wert — sie ist auch ein Sprungbrett in die finanzielle Spitzenliga des europäischen Fußballs.
Für die Saison 2025/26 bedeutet das konkret: Der VfB Stuttgart und der SC Freiburg kämpfen nicht nur um eine Trophäe und europäisches Prestige, sondern auch um einen wirtschaftlichen Vorteil, der ihre Kaderplanung für die kommenden Jahre maßgeblich beeinflussen könnte. Jede weitere Runde bringt zusätzliche Hunderttausende, jede weitere Runde festigt die europäische Marke beider Vereine. Und sollte einer von ihnen tatsächlich das Finale am 20. Mai in Istanbul erreichen, würde die Saison finanziell alle Erwartungen übertreffen.