
Die Rekordhalter
Die Europa League und ihr Vorgänger, der UEFA Cup, haben in über fünf Jahrzehnten eine reiche Statistik-Geschichte geschrieben. Torrekorde, Einsatzrekorde, Vereinsbestmarken und kuriose Randnotizen — der Wettbewerb bietet eine Fülle von Zahlen und Geschichten, die den Reiz des Turniers jenseits der aktuellen Saison verdeutlichen. Von Aubameyangs Torserie bis zu Mertens‘ Einsatzrekord: Die Rekorde der Europa League gehören zu den faszinierendsten im europäischen Vereinsfußball.
Dieser Artikel präsentiert die wichtigsten Rekorde des Wettbewerbs: Wer hat die meisten Tore geschossen? Wer hat die meisten Spiele bestritten? Welche Vereine halten die Vereinsrekorde? Und welche kuriosen Bestmarken sind im Laufe der Jahrzehnte entstanden? Die Antworten zeigen, dass die Europa League mehr ist als ein Übergangswettbewerb — sie ist ein Turnier mit eigener Geschichte, eigenen Helden und eigenen Legenden, die es verdienen, erzählt und gewürdigt zu werden.
Torrekorde
Der All-Time-Torschützenkönig der Europa League ist laut UEFA.com Pierre-Emerick Aubameyang mit 34 Toren im Wettbewerb. Der gabunische Stürmer erzielte seine Treffer hauptsächlich für Borussia Dortmund und den FC Arsenal — zwei Stationen, an denen er den Wettbewerb als persönliche Bühne nutzte. Aubameyangs Stärke lag in seiner Schnelligkeit und seinem Abschluss: Er benötigte oft nur eine Chance, um ein Spiel zu entscheiden. Seine 34 Tore verteilen sich auf mehrere Saisons und verschiedene Phasen des Wettbewerbs — von der Gruppenphase bis zu den K.o.-Runden.
Der Rekord für die meisten Tore in einer einzelnen Europa-League-Saison gehört Radamel Falcao, der 2010/11 für den FC Porto 17 Treffer erzielte. Falcao war in jener Saison schlicht nicht zu stoppen: Tore in der Gruppenphase, Tore in der K.o.-Runde, Tore im Finale gegen Braga. Seine Torquote von über zwei Toren pro K.o.-Runde ist eine Bestmarke, die seitdem nicht übertroffen wurde. Falcao wechselte nach dieser Saison zu Atletico Madrid — sein Europa-League-Rekord bleibt in Porto.
Für die aktuelle Saison 2025/26 ist der Torrekord einer der Benchmarks, an denen sich die aktuellen Torschützen messen lassen müssen. Aubameyangs 34 Tore wirken erreichbar für einen Spieler, der mehrere Saisons lang konstant im Wettbewerb trifft — aber sie erfordern Ausdauer, Konstanz und die Teilnahme an mehreren Europa-League-Kampagnen. Für die meisten Spieler bleibt der Rekord eine Zahl, die sie bewundern, nicht überbieten können.
Neben den individuellen Rekorden gibt es auch Mannschaftsrekorde: Die höchste Torzahl in einem einzelnen Europa-League-Spiel liegt bei 11 Toren (ein 8:3 zwischen Salzburg und Genk im Jahr 2019). Solche Ergebnisse sind selten, aber sie zeigen, dass der Wettbewerb für offensiven Fußball und spektakuläre Torfestivals gut ist. Der Torschnitt in der Ligaphase 2024/25 lag bei 2,84 Toren pro Spiel — ein Wert, der auf ein attraktives und offensives Turnier hindeutet.
Einsatzrekorde
Den Rekord für die meisten Einsätze in der Europa League hält laut UEFA.com Dries Mertens mit 70 Spielen. Der belgische Offensivspieler bestritt den Großteil seiner Europa-League-Karriere beim SSC Neapel, wo er über mehrere Saisons zum Stamm der Europacup-Mannschaft gehörte. Mertens‘ Rekord zeigt, dass Langlebigkeit im Wettbewerb keine Selbstverständlichkeit ist: 70 Spiele bedeuten mindestens acht bis neun Europa-League-Kampagnen mit tiefem Turnierverlauf.
Mertens‘ Einsatzrekord ist bemerkenswert, weil er an einem einzigen Verein aufgestellt wurde. Während andere Spieler ihre Einsätze auf mehrere Klubs verteilen, blieb Mertens Neapel über Jahre treu und bestritt seine Europa-League-Spiele fast ausschließlich im Stadio Diego Armando Maradona. Diese Vereinstreue ist im modernen Fußball selten und macht den Rekord umso wertvoller.
Unter den Torhütern hält Samir Handanovic den Einsatzrekord mit über 60 Europa-League-Spielen für Udinese und Inter Mailand. Handanovics Karriere illustriert, wie Torhüter besonders von Europa-League-Einsätzen profitieren können — sie spielen die vollen 90 Minuten in jedem Spiel und können über viele Saisons hinweg Einsätze sammeln, während Feldspieler häufiger rotiert werden.
Auch bei den Trainern gibt es bemerkenswerte Rekorde. Unai Emery hat die meisten Europa-League-Siege als Trainer errungen — getragen von seinen drei aufeinanderfolgenden Titeln mit Sevilla und weiteren tiefgehenden Turnierverlaufen mit Arsenal und Villarreal. Emerys Bilanz im Wettbewerb ist so dominant, dass er häufig als „Mr. Europa League“ bezeichnet wird.
Für aktive Spieler in der Saison 2025/26 sind die Einsatzrekorde noch in weiter Ferne — aber jeder Europa-League-Abend trägt zum persönlichen Konto bei. Spieler, die früh in ihrer Karriere im Wettbewerb debütierten und über viele Jahre europäisch spielen, haben theoretisch die Chance, an Mertens‘ 70 Spiele heranzukommen. In der Praxis ist das jedoch ein Rekord, der Jahrzehnte überdauern könnte.
Vereinsrekorde
Der FC Sevilla hält mit sieben Titeln den Vereinsrekord in der Europa League — eine Bestmarke, die in einem anderen Artikel ausführlich beleuchtet wird. Neben dem Titelrekord hält Sevilla auch den Rekord für die meisten Finalsiege in Folge (drei, von 2014 bis 2016) und die meisten Finalteilnahmen insgesamt. Kein anderer Verein ist so eng mit dem Wettbewerb verbunden wie der andalusische Klub.
Inter Mailand und Juventus Turin teilen sich den Rekord für die meisten UEFA-Cup-Titel mit jeweils drei — allerdings stammen diese Erfolge aus der Zeit vor der Umbenennung zur Europa League. Unter den Vereinen, die den Wettbewerb in seiner heutigen Form gewonnen haben, führt Sevilla mit fünf Titeln (2014, 2015, 2016, 2020, 2023), gefolgt von Atletico Madrid (2010, 2012) und Chelsea (2013, 2019) mit jeweils zwei.
Den Rekord für die meisten aufeinanderfolgenden Ligaphase-Teilnahmen halten mehrere Klubs — eine Bestmarke, die im neuen Format erst seit 2024 gezählt wird und daher noch wenig Aussagekraft hat. Im alten Gruppenformat hielt Villarreal den Rekord für die meisten aufeinanderfolgenden Gruppenphasen-Teilnahmen — ein Zeichen für die Konstanz des spanischen Klubs auf europäischer Ebene.
Deutsche Vereine halten einige bemerkenswerte Rekorde: Borussia Mönchengladbach war der erste Verein, der den UEFA Cup zweimal gewann (1975, 1979), und Eintracht Frankfurt war 2022 der erste deutsche Sieger der Europa League in ihrer heutigen Form. Diese Rekorde verbinden die deutsche Fußballgeschichte mit dem Wettbewerb und erinnern daran, dass deutsche Klubs im UEFA Cup und der Europa League eine bedeutende Rolle gespielt haben.
Kuriose Rekorde
Neben den großen Rekorden gibt es in der Europa League zahlreiche kuriose Bestmarken. Das schnellste Tor in der Geschichte des Wettbewerbs fiel nach weniger als zehn Sekunden — ein Rekord, der zeigt, dass in der Europa League jede Sekunde zählen kann. Die längste Elfmeter-Serie in einem Europa-League-Spiel ging über mehr als zehn Schützen pro Mannschaft — ein Nervenkrieg, der die Grenzen des mentalen und physischen Drucks auslotet.
Ein weiterer kurioser Rekord betrifft die Reisedistanz: In der Ligaphase der Saison 2024/25 legten einige Teams Reisestrecken von über 20.000 Kilometern zurück — eine Folge des neuen Formats, das acht verschiedene Gegner aus ganz Europa zuweist. Isländische Klubs, die nach Südspanien reisen, oder portugiesische Teams, die in Kasachstan antreten — die geographische Bandbreite des Wettbewerbs ist enorm und führt zu Reisen, die in der Champions League selten vorkommen.
Der jüngste Torschütze in der Europa-League-Geschichte debütierte mit 16 Jahren und erzielte sein erstes Tor in einem Gruppenspiel. Der älteste Spieler, der in einem Europa-League-Finale auflief, war über 40 Jahre alt — ein Beweis dafür, dass der Wettbewerb Platz für alle Generationen bietet. Diese kuriosen Rekorde zeigen die menschliche Seite des Wettbewerbs und erinnern daran, dass hinter jeder Statistik eine Geschichte steht, die erzählt werden will.
Ein weiterer kurioser Rekord betrifft die Zuschauerzahlen: Das bestbesuchte Europa-League-Spiel fand vor über 80.000 Zuschauern statt, während das am schwächsten besuchte Spiel in der Qualifikationsrunde nur wenige Hundert Fans anzog. Diese Bandbreite illustriert die Vielfalt des Wettbewerbs — von intimen Stadien in kleinen Städten bis zu ausverkauften Arenen in europäischen Metropolen. Die Europa League vereint Extreme, und genau darin liegt ein Teil ihres Charmes.