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Europa League Geschichte – Vom UEFA Cup bis heute

Die Geschichte der Europa League: Vom Messestädte-Pokal über den UEFA Cup bis zur Reform 2024.

Europa League Geschichte – vom UEFA Cup 1971 bis heute

Über 50 Jahre Geschichte

Die Europa League in ihrer heutigen Form ist das Ergebnis einer über fünfzig Jahre langen Entwicklung. Von den Anfängen als Messestäedte-Pokal in den 1950er Jahren über den UEFA Cup ab 1971 bis zur Europa League seit 2009 und der Reform 2024 — der Wettbewerb hat sich ständig gewandelt und dabei an Bedeutung, Größe und Attraktivität gewonnen. Die Geschichte der Europa League ist zugleich die Geschichte des europäischen Vereinsfußballs jenseits der Königsklasse.

Dieser Artikel zeichnet die wichtigsten Stationen nach: die Gründung des UEFA Cups, die Umbenennung zur Europa League, das neue Ligaphase-Format und einen Ausblick auf die Zukunft des Wettbewerbs. Jede Phase hat den Charakter des Turniers geprägt und entscheidend dazu beigetragen, dass die Europa League heute zu den wichtigsten Fußballwettbewerben der Welt gehört.

Der UEFA Cup (1971–2009)

Der UEFA Cup wurde 1971 als Nachfolger des Messestäedte-Pokals gegründet, der seit 1955 als inoffizieller europäischer Wettbewerb für Städte mit internationalen Handelsmessen existiert hatte. Die UEFA übernahm die Organisation und schuf einen regulären Wettbewerb mit klaren Regeln, einheitlichem Format und einer offiziellen Trophäe. Das erste UEFA-Cup-Finale 1972 gewann Tottenham Hotspur gegen Wolverhampton Wanderers.

Die ersten Jahrzehnte des UEFA Cups waren von einer breiten Streuung der Titel geprägt. Englische, deutsche, spanische, niederländische und italienische Klubs wechselten sich als Sieger ab. Borussia Mönchengladbach gewann 1975 und 1979, Eintracht Frankfurt triumphierte 1980. Diese frühe deutsche Dominanz — drei Titel in fünf Jahren — markierte eine der erfolgreichsten Phasen des deutschen Fußballs im internationalen Wettbewerb.

In den 1980er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt. Englische Klubs waren wegen der Heysel-Katastrophe 1985 für fünf Jahre von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen, was anderen Nationen Raum gab. Real Madrid, Bayer Leverkusen, Juventus Turin und der IFK Göteborg gewannen den Pokal in dieser Ära. Die 1990er Jahre brachten dann die italienische Dominanz: Juventus (1990, 1993), Inter Mailand (1991, 1994, 1998) und Parma (1995, 1999) gewannen den UEFA Cup insgesamt siebenmal in zehn Jahren.

Schalke 04 holte 1997 den letzten deutschen UEFA-Cup-Titel vor der Umbenennung — im Finale gegen Inter Mailand, entschieden im Elfmeterschießen. Es war ein historischer Moment für den Verein aus Gelsenkirchen und der Beginn einer 25-jährigen Wartezeit bis zum nächsten deutschen Titelgewinn durch Eintracht Frankfurt 2022.

Das Format des UEFA Cups änderte sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach. Ursprünglich bestand der Wettbewerb ausschließlich aus K.o.-Runden mit Hin- und Rückspiel. Ab 2004 wurde eine Gruppenphase eingeführt, die den Wettbewerb an die Champions League annäherte. Diese Änderung war umstritten: Puristen vermissten die Unmittelbarkeit der reinen K.o.-Runden, während Pragmatiker die zusätzlichen Spiele und Einnahmen begrüßten.

Der UEFA Cup war über fast vier Jahrzehnte das Zuhause für Klubs, die nicht ganz zur europäischen Spitze gehörten — aber nah genug dran waren, um auf internationaler Bühne für Furore zu sorgen. Er bot Platz für Überraschungen, für Außenseitergeschichten und für Vereine, deren Namen ohne den UEFA Cup nie europäische Bekanntheit erlangt hätten. Diese DNA trägt die Europa League bis heute in sich.

Europa League ab 2009

2009 vollzog die UEFA den größten Einschnitt in der Geschichte des Wettbewerbs: Der UEFA Cup wurde in Europa League umbenannt. Das Rebranding umfasste einen neuen Namen, ein neues Logo, eine neue Hymne und ein überarbeitetes Format. Ziel war es, dem zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb eine stärkere Markenidentität zu geben und ihn aus dem Schatten der Champions League zu heben.

Das neue Format brachte eine erweiterte Gruppenphase mit 48 Teams in zwölf Gruppen, gefolgt von einer K.o.-Phase ab dem Sechzehntelfinale. Die Prämien wurden angehoben, die TV-Präsenz ausgebaut und die Auslosung feierlicher gestaltet. Der erste Europa-League-Sieger war Atletico Madrid, das 2010 und erneut 2012 den Wettbewerb gewann — ein Auftakt, der den neuen Markennamen mit sportlicher Qualität verband.

Die prägende Kraft der Europa League ab 2009 war der FC Sevilla. Mit sieben Titeln zwischen 2006 und 2023 dominierte der andalusische Klub den Wettbewerb wie kein anderer Verein. Sevillas Erfolge gaben der Europa League ein Gesicht und bewiesen, dass der Wettbewerb für bestimmte Klubs mehr sein kann als ein Trostpreis — er kann die Bühne für eine Vereinsdynastie sein.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat die Europa League als Beispiel für die gelungene Verbindung von Tradition und Innovation bezeichnet. In einem Xinhua-Interview erklärte er: «There are numerous advantages: the tournaments will be more dynamic and unpredictable, teams will face a diverse range of opponents, and every match will carry significant sporting interest.» Diese Balance zwischen Tradition und modernem Format sei der Schlüssel zum langfristigen Erfolg des Wettbewerbs.

Reform 2024: Ligaphase

Die jüngste große Reform trat zur Saison 2024/25 in Kraft und ersetzte die traditionelle Gruppenphase durch eine Ligaphase. Statt zwölf Gruppen mit je vier Teams gibt es nun eine einzige Tabelle mit 36 Mannschaften, von denen jede acht Spiele gegen acht verschiedene Gegner bestreitet. Die Top 8 qualifizieren sich direkt für das Achtelfinale, die Plätze 9 bis 24 spielen in Playoffs um die verbleibenden Achtelfinalplätze, und die Plätze 25 bis 36 scheiden aus.

Das neue Format bringt mehrere Vorteile: mehr Spiele (144 statt 96 in der Gruppenphase), mehr Gegner pro Team (acht statt drei) und eine größtmögliche Vielfalt an Paarungen. Kein Team spielt zweimal gegen denselben Gegner in der Ligaphase, was die taktische Monotonie der alten Dreiergruppen beseitigt. Gleichzeitig steigt die Bedeutung jedes einzelnen Spiels, weil die Tabellenplatzierung über die gesamte Saison hinweg entschieden wird.

Die K.o.-Phase wurde ebenfalls reformiert. Seit der Saison 2024/25 wird der gesamte Turnierbaum bei der Achtelfinale-Auslosung festgelegt — Viertelfinale und Halbfinale werden nicht mehr separat ausgelost. Das gibt den Vereinen mehr Planungssicherheit und den Fans die Möglichkeit, den theoretischen Weg ihres Teams bis zum Finale im Voraus zu kennen.

Die erste Ligaphase-Saison 2024/25 wurde von der UEFA als Erfolg bewertet: hohe Zuschauerzahlen, ein Torschnitt von 2,84 pro Spiel und Spannung bis zum letzten Spieltag. Die Saison 2025/26 bestätigt diese positiven Trends und zeigt, dass das neue Format stabil funktioniert und den Wettbewerb nachhaltig attraktiver macht als das alte Gruppenformat — sowohl für die Fans im Stadion als auch für die TV-Zuschauer weltweit.

Die Zukunft des Wettbewerbs

Die Europa League steht nach über fünfzig Jahren Geschichte so stark da wie nie zuvor. Das neue Ligaphase-Format hat den Wettbewerb aufgewertet, die Prämien sind so hoch wie nie, und die mediale Präsenz wächst stetig. Die UEFA hat mit der Reform 2024 die Grundlage für eine neue Ära gelegt — und die ersten beiden Saisons zeigen, dass die Richtung stimmt.

Die größte Herausforderung für die Zukunft ist die Konkurrenz mit der Champions League. Solange die finanzielle und mediale Kluft zwischen den beiden Wettbewerben groß bleibt, wird die Europa League in der öffentlichen Wahrnehmung die „zweite Wahl“ sein. Die UEFA arbeitet daran, diese Kluft zu verkleinern — durch höhere Prämien, bessere TV-Verträge und ein Format, das sportlich attraktiver ist als das der Champions League.

Eine weitere Herausforderung ist die Integration der Conference League. Seit 2021 gibt es drei europäische Klubwettbewerbe, und die Abgrenzung zwischen Europa League und Conference League ist nicht immer klar. Die UEFA muss sicherstellen, dass beide Wettbewerbe eigenständige Identitäten entwickeln und sich nicht gegenseitig kannibalisieren — eine Aufgabe, die in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Die Geschichte der Europa League zeigt eines: Der Wettbewerb hat sich immer wieder neu erfunden und dabei an Bedeutung gewonnen. Vom Messestäedte-Pokal über den UEFA Cup zur Europa League — jede Phase hat den Charakter des Turniers geprägt und dazu beigetragen, dass er heute Hunderte Millionen Zuschauer weltweit erreicht. Die nächsten fünfzig Jahre werden neue Kapitel bringen — und die Geschichte, die in der Saison 2025/26 geschrieben wird, ist Teil dieser großen Erzählung.

Für deutsche Fans ist die Europa League 2025/26 eine Gelegenheit, an diese Geschichte anzuknüpfen. Stuttgart und Freiburg tragen die Verantwortung, nicht nur für ihren eigenen Verein zu kämpfen, sondern auch für die Tradition des deutschen Fußballs in diesem Wettbewerb. Von Mönchengladbach 1975 bis Frankfurt 2022 — die deutsche Europa-League-Geschichte ist reich an großen Momenten. Die Frage ist, ob die Saison 2025/26 ein weiteres glorreiches Kapitel hinzufügen wird.