
Stuttgart zurück in Europa
Der VfB Stuttgart spielt in der Saison 2025/26 in der Europa League — und das nach einer bemerkenswerten Rückkehr auf die europäische Bühne. Nachdem der Klub in der Vorsaison über die Bundesliga-Platzierung die Champions League erreicht hatte, führte der Weg in dieser Spielzeit in den zweithöchsten europäischen Klubwettbewerb. Für die Fans in der MHPArena bedeutet das Flutlichtabende gegen internationale Gegner, Auswärtsfahrten durch Europa und die Chance, eine Trophäe zu gewinnen.
Die Europa League 2025/26 ist für Stuttgart mehr als ein Trostpreis nach der verpassten Champions-League-Qualifikation. Der Wettbewerb bietet sportliche Herausforderungen, erhebliche Einnahmen und die Möglichkeit, sich als europäische Größe zu etablieren. In der Saison 2024/25 hatte der VfB in der Champions League wertvolle Erfahrung gesammelt — Erfahrung, die jetzt in der Europa League den Unterschied machen kann.
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über Stuttgarts Weg durch den Wettbewerb: Wie der Klub sich qualifizierte, welche Spiele anstehen, welche Spieler den Unterschied machen und welche finanziellen Dimensionen der europäische Wettbewerb für den VfB hat.
Der Weg in die Europa League
Der VfB Stuttgart qualifizierte sich über den siebten Platz in der Bundesliga-Saison 2024/25 für die Europa League 2025/26. In der Saison 2025/26 nehmen insgesamt 36 Teams am neuen Ligaphase-Format teil — darunter mit Stuttgart und dem SC Freiburg zwei deutsche Vertreter. Die Bundesliga entsendet regelmäßig Mannschaften in den Wettbewerb, und der VfB gehört in dieser Saison zu den Klubs, die das deutsche Fußball-Prestige auf europäischer Ebene vertreten.
Im alten Champions-League-Format der Vorsaison hatte Stuttgart bereits bewiesen, dass der Klub auf internationalem Niveau bestehen kann. Siege gegen namhafte Gegner und eine kompetitive Gruppenphase gaben dem Verein das Selbstvertrauen, auch in der Europa League ambitioniert aufzutreten. Der Wechsel von der Champions League in die Europa League bedeutet einen anderen Wettbewerb, aber nicht zwingend eine niedrigere Intensität — die Gegner in der Europa League kommen aus allen Ecken Europas und bringen unterschiedlichste Spielstile mit.
Die Qualifikation über die Bundesliga ist der üblichste Weg für deutsche Teams in die Europa League. Alternativ können Klubs sich über den DFB-Pokal qualifizieren, falls der Pokalsieger bereits einen Champions-League-Platz belegt. Für Stuttgart war der siebte Platz ausreichend, um direkt in die Ligaphase einzusteigen — ohne den Umweg über Qualifikationsrunden, die im Sommer hätten ausgetragen werden müssen.
Die Teilnahme an der Europa League hat für den VfB auch eine historische Dimension. Der Klub war in der Vergangenheit regelmäßig in europäischen Wettbewerben vertreten, darunter im UEFA-Cup und in der Champions League. Die aktuelle Europa-League-Kampagne knüpft an diese Tradition an und gibt einer neuen Spielergeneration die Möglichkeit, sich auf internationalem Parkett zu beweisen.
VfB-Spielplan 2025/26
In der Ligaphase der Europa League bestritt der VfB Stuttgart acht Spiele — vier Heim- und vier Auswärtspartien. Anders als im alten Gruppenmodus trat jedes Team gegen acht verschiedene Gegner an, die per Losverfahren aus unterschiedlichen Lostöpfen zugewiesen wurden. Das führte zu einem abwechslungsreichen Spielplan mit Reisen quer durch Europa.
Stuttgarts Heimspiele in der MHPArena waren Höhepunkte der Saison. Die Europapokal-Nächte unter Flutlicht erzeugten eine Atmosphäre, die sich von Bundesliga-Spielen deutlich unterschied. Auswärtsspiele führten den VfB in Stadien, die unterschiedlicher nicht hätten sein können — von modernen Arenen in Westeuropa bis zu traditionsreichen Spielstätten in Osteuropa.
Mit 15 Punkten aus acht Spielen landete Stuttgart auf Platz 15 der Ligaphase-Tabelle. Das bedeutete: knapp an den Top 8 vorbei, die direkt ins Achtelfinale eingezogen wären. Stattdessen musste der VfB den Umweg über die Playoff-Runde nehmen — ein Hin- und Rückspiel gegen Celtic Glasgow, das Stuttgart im Gesamtergebnis mit 4:2 für sich entschied. Der deutliche Hinspielsieg mit 4:1 in Glasgow war dabei das Fundament für den Einzug ins Achtelfinale.
Im Achtelfinale wartet mit dem FC Porto ein Gegner, der europäisch erfahren und sportlich anspruchsvoll ist. Die Termine für das Achtelfinale liegen im März, und Stuttgart reist mit dem Selbstvertrauen aus den Playoffs nach Portugal. Der weitere Weg könnte den VfB theoretisch bis ins Finale am 20. Mai in Istanbul führen — ein Ziel, das ambitioniert, aber keineswegs unrealistisch ist.
Die Europapokal-Belastung beeinflusst natürlich auch den Bundesliga-Alltag. Donnerstagsspiele in der Europa League gefolgt von Sonntagspartien in der Liga fordern Kader und Trainerteam. Stuttgart hat dieses Problem in der Champions-League-Saison bereits kennengelernt und passt die Rotation entsprechend an. Die Kaderbreite wird im Frühjahr zum entscheidenden Faktor.
Kader und Schlüsselspieler
Der Stuttgarter Kader für die Europa League 2025/26 vereint Erfahrung und Jugend. Die Mannschaft profitiert von Spielern, die bereits in der Champions-League-Kampagne der Vorsaison internationale Erfahrung gesammelt haben. Gleichzeitig bieten die Europapokal-Spiele jungen Talenten aus der eigenen Akademie die Möglichkeit, Einsatzminuten auf hohem Niveau zu sammeln.
Im Mittelfeld setzt Trainer Sebastian Hoeneß auf eine Kombination aus Ballbesitz und vertikalen Pässen, die den Gegner unter Druck setzt. Die offensiven Flügelspieler sind ein zentrales Element im Stuttgarter Spiel — ihre Geschwindigkeit und Dribbelstärke machen den VfB auf Konter gefährlich, während das Pressing im Mittelfeld den Gegner zu Fehlern zwingt.
Die Defensive hat sich im Laufe der Saison stabilisiert. Nachdem in den ersten Ligaphase-Spielen noch Abstimmungsprobleme sichtbar waren, fand die Abwehrkette im weiteren Turnierverlauf zu mehr Sicherheit. Besonders in den Playoffs gegen Celtic Glasgow zeigte die Defensive ihre Stärke: Trotz der aggressiven Spielweise der Schotten blieb Stuttgart im Hinspiel weitgehend kompakt und nutzte die eigenen Chancen konsequent.
Die Kadertiefe ist ein entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf der Saison. Mit Europa League und Bundesliga parallel laufen zahlreiche englische Wochen, die Rotationsmöglichkeiten erfordern. Stuttgart hat im Winter gezielt nachverstärkt, um die Belastung auf mehrere Schultern zu verteilen. Ob die Breite des Kaders für einen tiefen Run im Europapokal und eine konkurrenzfähige Bundesliga-Platzierung gleichzeitig reicht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Europäische Einnahmen
Die Teilnahme an der Europa League bringt dem VfB Stuttgart erhebliche Einnahmen. Die UEFA schüttet allein als Startgeld laut UEFA Circular Letter 13/2024 4,31 Millionen Euro an jeden Ligaphase-Teilnehmer aus. Hinzu kommen Leistungsprämien: 450.000 Euro pro Sieg, 150.000 Euro pro Unentschieden. Bei 15 Punkten aus acht Spielen — was vier Siegen und drei Unentschieden entspricht — hat Stuttgart in der Ligaphase bereits 2,25 Millionen Euro an reinen Leistungsprämien eingespielt.
Für den Einzug ins Achtelfinale über die Playoffs gibt es eine zusätzliche Prämie, und jede weitere Runde bringt weitere Millionen. Das Achtelfinale allein ist mit einer siebenstelligen Summe dotiert, das Viertelfinale nochmals höher. Für einen Klub wie Stuttgart, der nicht über das Budget der absoluten Top-Vereine verfügt, sind diese Einnahmen ein wichtiger Baustein der Finanzplanung.
Im Vergleich zur Champions League sind die Prämien in der Europa League niedriger, aber keineswegs unerheblich. In der Champions-League-Saison 2024/25 hatte Stuttgart allein über die UEFA-Prämienverteilung 42,98 Millionen Euro eingenommen — eine Summe, die in der Europa League nicht erreichbar ist. Dennoch summieren sich TV-Gelder, Ticketeinnahmen, Merchandising und UEFA-Prämien auf einen Betrag, der die Europa League zu einem finanziell lohnenden Unterfangen macht.
Die Einnahmen aus dem Europapokal fließen direkt in den sportlichen Bereich: Kaderpflege, Vertragsverlängerungen, Infrastruktur. Für Stuttgart bedeutet eine erfolgreiche Europa-League-Kampagne nicht nur kurzfristigen sportlichen Erfolg, sondern auch mittelfristige finanzielle Stabilität. Wenn der VfB bis ins Viertel- oder Halbfinale vorstoßen sollte, würde die Gesamteinnahme aus dem Wettbewerb die Zehn-Millionen-Euro-Grenze deutlich überschreiten.
Zusätzlich zu den direkten UEFA-Zahlungen profitiert Stuttgart von erhöhten TV-Einnahmen im Inland. Die Europa-League-Spiele laufen auf RTL+ und gelegentlich im Free-TV auf RTL — Präsenz, die den Markenwert des Klubs steigert und Sponsoren anlockt. Die internationale Bühne macht den VfB auch für Spieler attraktiver, was sich langfristig in der Qualität des Kaders niederschlägt.