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Europa League Sieger – Alle Gewinner seit 1972

Alle Europa League Sieger seit 1972: Rekordchampion Sevilla, deutsche Erfolge, Historie.

Europa League Sieger – alle Gewinner seit 1972

Die Königsklasse Zwei

Die Europa League — und ihr Vorgänger, der UEFA-Pokal — hat seit 1972 eine eigene Tradition, eigene Legenden und eigene Geschichten geschrieben. Während die Champions League die größten Schlagzeilen produziert, ist der zweite europäische Vereinswettbewerb der Ort, an dem Überraschungen zur Regel gehören und Teams ihre europäische Identität formen. Von Tottenham Hotspurs erstem Sieg 1972 bis zum jüngsten Titelträger hat der Wettbewerb eine Geschichte, die mehr als fünf Jahrzehnte umspannt.

Die Liste der Sieger liest sich wie ein Who-is-Who des europäischen Clubfußballs — mit einigen Namen, die man erwarten würde, und vielen, die überraschen. Dieser Artikel bietet einen vollständigen Überblick über alle Gewinner, analysiert die Dominanz-Phasen und beleuchtet die deutschen Erfolge im Wettbewerb.

Komplette Siegerliste seit 1972

Der UEFA-Pokal wurde 1971/72 als Nachfolger des Messestädte-Pokals ins Leben gerufen und erlebte in seinen ersten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Vielfalt an Siegern. Tottenham Hotspur gewann die erste Ausgabe 1972, gefolgt von Liverpool, Feyenoord, Borussia Mönchengladbach und Juventus Turin. Die 1970er Jahre zeigten bereits, was den Wettbewerb ausmachen sollte: Klubs aus verschiedenen Ländern konnten gewinnen, und es gab keine Dauerdominanz einer einzelnen Nation.

In den 1980er Jahren gewannen IFK Göteborg, Real Madrid, Bayer Leverkusen und der 1. FC Köln den Titel — ein Jahrzehnt, in dem sowohl Traditionsklubs als auch vermeintliche Außenseiter triumphierten. Die 1990er brachten mit Ajax Amsterdam, Bayern München, Inter Mailand und Schalke 04 weitere namhafte Sieger, bevor Galatasaray Istanbul im Jahr 2000 als erster türkischer Klub den UEFA-Pokal gewann.

Die Umbenennung zum Europa-League-Format erfolgte 2009/10, und Atletico Madrid sicherte sich den ersten Titel unter neuem Namen. Danach begann die Ära des FC Sevilla, der den Wettbewerb zwischen 2014 und 2016 dreimal in Folge gewann und damit eine beispiellose Dominanz etablierte. Chelsea, Atletico Madrid erneut, und schließlich Eintracht Frankfurt 2022 sowie Atalanta Bergamo 2024 folgten als jüngste Sieger.

Die komplette Liste offenbart ein Muster: Im Gegensatz zur Champions League, wo eine Handvoll Klubs den Wettbewerb dominiert, ist die Siegerliste der Europa League breit gestreut. Teams aus Spanien, England, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Schweden, der Türkei und weiteren Ländern haben den Titel geholt. Diese Vielfalt ist ein Markenzeichen des Wettbewerbs und ein Grund, warum er für so viele Vereine attraktiv bleibt.

Bemerkenswert ist auch die Länge der Siegerliste: In über 50 Austragungen gab es mehr als 30 verschiedene Titelträger. Nur wenige Vereine — allen voran Sevilla — konnten den Titel mehr als zweimal holen. Diese Offenheit unterscheidet den Wettbewerb fundamental von der Champions League, wo Real Madrid allein 15 Titel gesammelt hat. In der Europa League kann jeder gewinnen, der die richtige Mischung aus Talent, Taktik und Turnierglück mitbringt.

Sevilla: 7 Titel, eine Mission

Kein Verein hat die Europa League so geprägt wie der FC Sevilla. Laut der offiziellen UEFA-Siegerliste hat der andalusische Klub mit sieben Titeln — 2006, 2007, 2014, 2015, 2016, 2020 und 2023 — eine Bilanz aufgestellt, die in der Geschichte des europäischen Fußballs beispiellos ist. Kein anderer Verein hat einen einzelnen UEFA-Wettbewerb ähnlich dominiert.

Sevillas Erfolgsgeschichte begann 2006, als der Klub unter Trainer Juande Ramos den ersten Titel holte. Ein Jahr später folgte die Titelverteidigung — ein Kunststück, das in der Europa League als nahezu unmöglich gilt. Doch die wahre Dominanz zeigte sich zwischen 2014 und 2016, als Sevilla unter Unai Emery drei aufeinanderfolgende Titel gewann. Diese Serie ist in der Geschichte der europäischen Vereinswettbewerbe einzigartig und unterstrich, dass Sevilla den Wettbewerb nicht nur beherrschte, sondern zu seiner eigenen Identität gemacht hatte.

Der siebte Titel kam 2023 in Budapest, als Sevilla im Finale gegen die AS Roma im Elfmeterschießen gewann. Es war ein Triumph, der die Europa-League-DNA des Vereins ein weiteres Mal bestätigte. Sevilla ist in der Champions League ein respektabler, aber kein dominanter Teilnehmer — in der Europa League hingegen ist der Klub eine Macht, die jeder Gegner fürchtet. Mehr über Sevillas einzigartige Beziehung zum Wettbewerb findet sich auf UEFA.com.

Deutsche Sieger im Wettbewerb

Deutsche Vereine haben in der Geschichte des UEFA-Pokals und der Europa League mehrfach triumphiert, auch wenn die Titelgewinne über die Jahrzehnte weit auseinander liegen. Borussia Mönchengladbach gewann 1975 und 1979 als erster und bislang erfolgreichster deutscher Klub den UEFA-Pokal. Eintracht Frankfurt holte 1980 den Titel, Bayer Leverkusen folgte 1988, der FC Bayern München 1996, und Schalke 04 gewann 1997 in einem unvergesslichen Finale gegen Inter Mailand.

Danach begann eine lange Durststrecke. 25 Jahre lang gewann kein deutsches Team den Wettbewerb — bis Eintracht Frankfurt 2022 in Sevilla den Bann brach. Die Eintracht besiegte die Glasgow Rangers am 18. Mai 2022 mit 5:4 im Elfmeterschießen und war damit laut Eintracht Frankfurt der erste deutsche Verein überhaupt, der die Europa League in ihrer aktuellen Form gewann.

Insgesamt stehen damit sieben Titel deutscher Vereine zu Buche — eine respektable Bilanz, die allerdings hinter Spanien mit insgesamt zwölf Titeln und England mit neun zurückbleibt. Die deutsche Stärke lag vor allem in den 1970er bis 1990er Jahren, als der UEFA-Pokal regelmäßig nach Deutschland ging. Seit dem Jahrtausendwechsel hat nur Frankfurt den Titel geholt — ein Indiz dafür, dass deutsche Vereine den Wettbewerb lange Zeit vernachlässigt haben.

In der Saison 2025/26 versuchen der VfB Stuttgart und der SC Freiburg, Frankfurts Erbe fortzusetzen. Beide Teams haben das Achtelfinale erreicht, und die Geschichte zeigt: Deutsche Vereine können den Wettbewerb gewinnen, wenn sie die Europa League als echte Chance und nicht als Pflichtaufgabe begreifen. Die Eintracht hat 2022 vorgemacht, wie es geht — mit Leidenschaft, taktischer Disziplin und einer Fankultur, die das Team durch jede Runde trug.

Dominanz-Phasen und Entwicklungen

Die Geschichte des Wettbewerbs lässt sich in mehrere Dominanz-Phasen unterteilen. In den 1970er und 1980er Jahren war der UEFA-Pokal ein offener Wettbewerb ohne klare nationale Vorherrschaft. Deutsche, englische, niederländische und schwedische Klubs gewannen in bunter Reihenfolge, und Überraschungssieger wie IFK Göteborg oder der 1. FC Köln waren keine Seltenheit.

Die 1990er und 2000er Jahre brachten eine Verschiebung zugunsten der großen Ligen. Inter Mailand, Bayern München, Real Madrid und ZSKA Moskau holten die Titel, und der Wettbewerb gewann an Prestige. Die Einführung des Europa-League-Formats 2009 mit einer eigenen Gruppenphase und einer eigenständigen Marke markierte einen Wendepunkt: Der Wettbewerb wurde professioneller vermarktet, die Prämien stiegen, und immer mehr Topklubs nahmen die Europa League ernst.

Seit 2014 dominiert Spanien den Wettbewerb deutlich. Sevilla holte in dieser Phase vier Titel, Atletico Madrid und Villarreal folgten. Die Gründe liegen in der taktischen Reife der spanischen Liga, der Kadertiefe der Klubs und einer Mentalität, die den Wettbewerb nicht als zweitrangig betrachtet. Deutsche, englische und italienische Klubs haben dagegen oft mit Kadermanagement-Problemen zu kämpfen, weil sie die Europa League parallel zur nationalen Liga bestreiten müssen.

Das neue Format seit 2024/25 mit Ligaphase und 36 Teams hat den Wettbewerb erneut verändert. Mehr Spiele, mehr Teams, mehr Prämien — und eine noch breitere Basis potenzieller Titelkandidaten. Die Ligaphase mit acht Spielen pro Team gegen verschiedene Gegner sorgt dafür, dass kein Team eine leichte Gruppe erwischen kann, und die anschließende K.o.-Phase mit festem Turnierbaum erhöht die taktische Planbarkeit.

Ob sich daraus eine neue Dominanz-Phase entwickelt oder ob die Europa League ihre traditionelle Vielfalt behält, wird die nächsten Jahre zeigen. Eines ist sicher: Der Wettbewerb hat in über fünf Jahrzehnten bewiesen, dass er spannend, unberechenbar und historisch bedeutsam ist — ganz unabhängig davon, wer die Champions League gewinnt. Die Europa League ist nicht die kleine Schwester der Königsklasse. Sie ist ein eigenständiger Wettbewerb mit eigener Geschichte, eigenen Helden und einer Siegerliste, die breiter und diverser ist als die jedes anderen europäischen Pokals.